Ressourcen und Energie – „gefühlter“ oder „wirklicher Bedarf“?

von P.Joachim Wrede ofmcap

 

Ich erinnere mich gut: Unser Bügeleisen hatte seinen Dienst quittiert, obgleich es noch gar nicht so alt war. „Ermüdungserscheinung des Kabels am Eingang zum Eisen“ war meine Diagnose. „Ja, das ist es“, sagte mir der Händler im Elektrogeschäft, „eine geringfügige Reparatur, aber ich kann ihnen nicht helfen, der Hersteller gibt uns den Spezialschlüssel zum Öffnen des Eisens nicht.“ Ich musste das Bügeleisen verschrotten und ein neues kaufen – nicht ohne Groll.

Zu Beginn des Jahres streikte mein Computer. Im vertraulichen Gespräch mit dem Techniker offenbarte er mir: „Wir PC-Fachleute bemerken, dass die Computer immer wieder an den selben Stellen kaputt gehen. Das ließe sich bei der Herstellung durch Einsatz von geeigneterem Material ohne Weiteres vermeiden.“ „Geplante Obsoleszenz“ nennt man dies.  Dinge gehen nicht einfach nur zu früh und ohne Grund kaputt, sondern der Hersteller hat dabei mehr oder weniger absichtlich seine Hände im Spiel.

Wir gehen mal wieder auf Weihnachten zu; für den Kommerz kann es nicht früh genug sein. An aufwendiger Beleuchtung wird wahrscheinlich auch in diesem Jahr nicht gespart werden in Städten und auch in Privathäusern.

Standby- Funktion haben heute selbst einfache Haushaltsgeräte. Gerne würde ich Fernsehen, Radio, PC, Küchenherd… und viele andere Geräte ohne diese Funktion kaufen, aber es gibt sie nicht mehr im Handel. Natürlich kann man argumentieren, es sind nur geringfügige Mengen an Energie, die sie verbrauchen – aber es summiert sich und ist oft einfach nur unnötig.

Manche Mitbürger möchten sich noch im Winter im T-Shirt in ihrer Wohnung aufhalten. Natürlich geht das nur, wenn die Heizung kräftig aufgedreht wird. Die verantwortliche Alternative wäre: Pullover anziehen – Heizung zurückdrehen.

Nur einige Beispiele, die mir deutlich machen, eine grundsätzliche und gesamtgesellschaftliche Diskussion muß in Gang kommen, um lange fällige Themen anzusprechen. Natürlich ist es richtig, den einzelnen zunächst in Pflicht zu nehmen und ihm zu sagen: fang Du mit einem verantwortlichen Lebensstil an, warte nicht auf andere. Aber die Problematik einseitig auf den einzelnen abladen, überfrachtet ihn und zieht den Kreis zu klein. Die Gesellschaft ist als ganze angefragt, einzutreten in einen notwendigen Bewußtwerdungsprozeß. Diesbezüglich  vermisse ich einen substantiellen Beitrag der Politiker. Ein deutlicher Anstoß zu neuem Denken und Handeln sollte von ihnen ausgehen. Nur zu leicht kann der Verdacht aufkommen, Politiker handeln aus Eigennutz, darauf bedacht, den Status Quo zu erhalten, dem Wähler oder bestimmten Gruppen zu schmeicheln…. Zwar klagt der ein oder andere Politiker noch finanzielle Mittel ein für Zukurzgekommene in unserem Land, selten aber werden weltweite Zusammenhänge und Abhängigkeiten im weiteren Rahmen in Betracht gezogen.

„Wir stehen heute vor einer großen Herausforderung: Das Haus Welt muß neu gebaut werden. Es reicht nicht eine Renovierung hier und da.“ Ein klares prophetisches  Wort eines lateinamerikanischen Bischofs (Bartolomé Carrasco, + 1999). Es wird uns als Menschheit nicht gelingen, die Welt in eine gute Zukunft zu führen, wenn wir heutigen nicht bereit sind, umzudenken und einen Wandlungsprozess einzuläuten.

Wie lange leisten wir es uns noch, Ressourcen und Energie zu verschleudern? Es wird Zeit, daß wir als Gesellschaft, auch unbequeme Fragen in die Hand nehmen und ein zukunftsträchtiges Handeln in Gang setzen. Solange wir uns auf der Suche nach Energiequellen und Ressourcen unkritisch leiten lassen von einem „gefühlten Bedarf“, nicht aber den „wirklichen Bedarf“ in den Blick nehmen, solange die Wirtschaft nicht auf ihre Grenzen verwiesen wird, werden wir wertvolle Ressourcen aufs Spiel setzen.

Ein Problem, das in unserer waldreichen Mittelgebirgslandschaft bei nicht wenigen Sorgen auslöst, ist Umgang mit der einzigartigen Ressource Wald. Nicht wenige Bürger haben den Eindruck: Die Windkraftlobby hat sich verselbständigt und versucht auf geschickte Weisen ihre wirtschaftlichen Ziele durchzusetzen. Bürger mit klarer Sicht sind auf den Plan gerufen. Ein zweiter Eindruck entsteht: fast alle Politiker lassen den Bürger mit diesem Problem allein und setzen ihn den kräftigen Ellbogen der Wirtschaft aus.

Es fehlen Transparenz und eine offene und ehrliche Diskussion mit langem Atem, um verhängnisvollen Entwicklungen vorzubeugen.

P.Joachim Wrede ofmcap

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